Das Eröffnen eines Bankkontos in Zypern ist eine komplizierte Angelegenheit. Seit Jahren übt die Europäische Union Druck auf das Land aus, um eine schärfere Kontrolle bei den Kundenbeziehungen der Banken zu erreichen. In Zypern gibt es nicht viele Spezialisten, die sich mit solchen Compliance-Anforderungen auskennen. Auf jeder Ebene, von der Zentralbank bis hinunter zum Kundenberater neigen die überforderten Bankmitarbeiter dazu, bei Kontoeröffnungen etwas mehr Dokumentation, etwas mehr Information zu verlangen, nur damit sie auf der sicheren Seite sind. Über die verschiedenen Ebenen addieren sich diese Mehr-Forderungen zu einem absurden Prozess, der sowohl für den Banker wie auch den Kunden unüberschaubar ist. Hinzu kommen in den letzten Jahren noch die USA, die die russischen Oligarchen ins finanzielle Herz treffen wollen und den zypriotischen Banken rigide Kontrollen über die Herkunft von russischen Geldern und deren Verwendung vorschreiben. Das führt dazu, dass vielen russischen Kunden überraschend das Konto gekündigt wird – und zwar nicht nur Oligarchen, sondern auch vielen russischen mittelständischen Angestellten und Kleinunternehmern.
Die Kündigungswelle ist inzwischen auf ganz normale europäische Unternehmen übergeschwappt, immer häufiger hören wir von Kunden oder lesen in Foren von plötzlich und unerklärlich gekappten Bankverbindungen. Neu ist, dass verschiedenen europäischen Botschaften die lokalen Bankkonten gekündigt wurden. Politiker und Diplomaten als Personen des öffentlichen Lebens verursachen einen erhöhten Compliance Aufwand, der durch die Gebühren aus den Konten nicht verdient wird. Da verwundert es nicht, dass die Zahl der Unternehmens-Neugründungen im ersten Quartal 2019 um 13,7 % gefallen ist. Zypern schafft sich gerade ab, könnte man sagen.